Chronik der Feuerwehr Heyen

Die Wehr

Rückblick: Das Braunschweigische Feuerhilfegesetz, erlassen im Jahr 1874, war damals „vorbildlich im ganzen Reich“. Es verpflichtete alle Dörfer und Städte im Herzogtum Braunschweig zur Aufstellung und Unterhaltung von Feuerwehren. Wo sich keine Freiwilligen Wehren bilden konnten, mussten Pflichtfeuerwehren den Brandschutz übernehmen. So wurde, wie in vielen Orten auch, in Heyen im Jahr 1875 die Freiwillige Feuerwehr gegründet.

 

tl_files/fM_k0007/Chronik/Spritzenhaus.jpg

 

Die vorliegenden schriftlichen Unterlagen über die Entwicklung der Wehr datieren von 1895. Protokolle liegen seit 1925 – aus der Zeit des 50jährigen Bestehens – vor. Dieses Fest wurde gebührend begangen. Das Leitwort zum 50jährigen Bestehen lautete:

 

Der Glaube nur hat Kraft,
der sich zur Tat aufrafft,
Gebetet heißt nicht: die Hand im Schoß,
Beim Beten lass den Pflug nicht los,
dann bist du fromm und deutsch!

 

Nach diesem Grundsatz gelobten damals die folgenden Vorstandsmitglieder ihren Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr Heyen und verpflichteten sich mit ihrer Unterschrift:

 

Friedrich Lücke, Hauptmann

Friedrich Lindemann, Kassierer

Friedrich Wilhelm, Schriftführer

Hermann Battmer, 1. Spritzenmeister

Friedrich Möller, Gruppenführer

Carl Steinbrink, Gruppenführer

 

Wir die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Heyen, wollen uns bemühen, dem Vorbild unserer Vorgänger nachzueifern und versprechen, dem Leitgedanken der Freiwilligen Feuerwehr:
„Gott zur Ehr – dem nächsten zur Wehr“ immer nachzustreben.

 

Nach den Aufzeichnungen ergaben sich per 14. September 1895 folgende Gliederungen in der Wehr:

Ordnungsmannschaft 1. Abteilung - 20 Männer

Ordnungsmannschaft 2. Abteilung - 38 Männer 

In dieser Aufstellung der Ordnungsmannschaft wird Wilhelm Sporleder, Halbmeier, als Spritzenmeister erwähnt.

 

Die erste Stammrolle wurde am 14. Mai 1908 angelegt. Mit der Ordnungsnummer 1 ist Wilhelm Pieper eingetragen. Hieraus kann man schließen, dass Wilhelm Pieper der erste Brandmeister der Freiwilligen Feuerwehr war.

 

Bis zur Gebietsreform 1973 gehörte die Freiwillige Feuerwehr Heyen zum Unterkreis VII im Landkreis Holzminden, dieser umfasste die Orte der Ithbörde, bis hin nach Bessingen.

 

Seit 1973 ist die Wehr als Ortsfeuerwehr Heyen der Samtgemeinde Bodenwerder (ab 2010 der fusionierten Samtgemeinde Bodenwerder-Polle) angegliedert und gehört zum Stützpunktbereich Halle.

 

 

Die Löschwasserversorgung in Heyen 

1926: In der Gönne wurde eine Zisterne mit 36 m³ Fassungsvermögen für Löschwasser gebaut.

 

31.08.1930: Kreisbranddirektor Hundertmark ließ um 2 Uhr (Nachts??) die Heyer Wehr alarmieren und besichtigte dieselbe sowie das Spritzenhaus und sämtliche Feuerlöschgeräte eingehend.

 

1936 bis 1938: Im ganzen Dorf wird die zentrale Wasserleitung verlegt. Es kamen die ersten Löschwasserhydranten in das Dorf. Der letzte Überflurhydrant wurde 2002 abgebaut. Jetzt stehen 30 neuangelegte Unterflurhydranten zur Löschwasserversorgung zur Verfügung.

 

1979: Auf dem Platz des inzwischen abgerissenen Spritzenhauses an der Esperder Straße wird eine Löschwasserzisterne mit einem Fassungsvermögen von 150 m³ gebaut, diese liegt zum Teil noch mit auf dem Gartengelände der Familie Klingenberg.

 

 

Löschgeräte 

tl_files/fM_k0007/Chronik/TS_1993.jpg
Unterweisung und Abholung der dritten Tragkraftspritze (FTZ Holzminden 1993)

 

Nach der Handdruckspritze wurde der Wehr am 6. März 1938 die erste Motorspritze übergeben. Diese Motorspritze leistete ihren Dienst bis 1960 und wurde durch eine neue Tragkraftspritze ersetzt. Diese Tragkraftspritzen standen jeweils auf einem gummibereiften Einachsanhänger und wurden mit einem Trecker zu den Einsatz- und Übungsorten gefahren. 1993 erhielt die Wehr ihre dritte Motorspritze. Es ist eine TS 8/8 der Marke Rosenbauer mit einer Nennleistung von 800 Litern/Minute bei 8 bar, die bis heute (2013) im Einsatz ist.

 

tl_files/fM_k0007/Chronik/TSF_1973.jpg

 

Am 6. April 1973 übergab die Gemeinde Heyen, kurz vor der Gebietsreform, ihrer Freiwilligen Feuerwehr ein Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) vom Typ Ford Transit. Dieses Fahrzeug bietet, neben der notwendigen feuerwehrtechnischen Ausrüstung für eine Löschgruppe, Platz für eine Staffel (6 Einsatzkräfte) und wurde von den Kameraden liebevoll in Stand gehalten. 2005 musste es aber aufgrund eines Motordefektes durch ein neues TSF mit Doppelkabine vom Typ VW LT35 ersetzt werden.

 

tl_files/fM_k0007/Chronik/TSF_2000.JPG
TSF Ford Transit (um 2001)

 

tl_files/fM_k0007/Chronik/TSF_2005.JPGFahrzeugübergabe TSF-Doka VW LT35 am 5. März 2005

 

Im Jahr 2000 hielt in Heyen dann der „schwere Atemschutz“ (bis 2003 zunächst mit zwei und dann mit vier Geräten) sowie der Einsatzstellenfunk im 2-m-Band Einzug. Seit dieser Zeit genießt der Atemschutz in der Feuerwehr Heyen einen großen Stellenwert. Mit durchschnittlich 12 ausgebildeten und einsatzbereiten (!) Geräteträgern wird die Einsatzbereitschaft der hier stationierten Atemschutzgeräte sichergestellt.

 

tl_files/fM_k0007/Chronik/MTW_2012.jpg

 

Sponsoren ermöglichten 2012 die Anschaffung eines gebrauchten Mannschaftstransporters mit 9 Sitzplätzen vom Typ Peugeot Boxer, der in Eigenleistung zum Einsatzfahrzeug umgebaut wurde.

 

Die laufenden Kosten des Fahrzeuges übernimmt der in 2013 gegründete Ortsfeuerwehrverband Heyen e. V. und auch die Samtgemeinde Bodenwerder-Polle trägt mit einem jährlichen Betriebskostenzuschuss und der Übernahme der Versicherungskosten zur Unterhaltung des Fahrzeuges bei.

 

 

Gerätehaus 

tl_files/fM_k0007/Chronik/Gemeindehaus.jpg

 

Da für das im Jahr 1973 anzuschaffende TSF das alte Spritzenhaus an der Esperder Straße deutlich zu klein war, wurde im Vorfeld am 16. September 1972 die Einweihung des neuen Gerätehauses mit einem angegliederten Unterrichtsraum, einer kleinen Küche und Toilettenräumen gefeiert. Dieses Haus wurde an das alte Gemeindehaus in der Kleinen Straße 2 angebaut. Die ehemaligen Stallgebäude wurden hierfür abgerissen.

 

tl_files/fM_k0007/Chronik/GH_1989_1.jpg

 

In einer großen Eigenleistung wurde 1988 unter der Leitung von Ortsbrandmeister Hermann Ohm das Feuerwehrhaus auf Initiative von Bürgermeister Reinhard Meyer und unter Aufsicht des damaligen Gemeindebrandmeisters Heinz Düsterwald renoviert.

 

Bei der festlichen Einweihung am 01. Mai 1989 freuten sich alle Beteiligten über das erzielte Ergebnis. Gemeindebrandeister Heinz Düsterwald sagte: "Für die Heyener Wehr ist der Bau mit seinen nun vorhandenen sanitären und sozialen Einrichtungen durchaus "ausreichend"!"

 

tl_files/fM_k0007/Chronik/GH_1989_2.jpg

 

Im Jahr 2013 wurde am östlichen Gebäudeteil ein Carport angebaut, das als Unterstellplatz und geschützter "Freisitz" dienen soll. Die Finanzierung der Baumaterialen und der Aufbau erfolgte, mit Unterstützung zweier ortsansässiger Firmen, in Eigenleistung.

 

(Foto)

 

Heute kommen hier alle drei Abteilungen (Einsatzabteilung, Jugendfeuerwehr und Musikzug) zum Dienst und Unterricht zusammen.

 

tl_files/fM_k0007/Chronik/Geraetehaus.jpg

 

 

Hauptmann, Führer, Brandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Heyen

In der Kaiserzeit und bis zum „Tausendjährigen Reich“ war die amtliche Bezeichnung für den ersten Feuerwehrmann: Feuerwehr-Hauptmann.

 

Nach der Gleichschaltung der Vereine und anderen Zusammenschlüsse im Jahr 1933 wurde aus dem „Feuerwehr-Hauptmann“ ein „Feuerwehr-Führer“. Bei der ersten Jahreshauptversammlung nach dem Krieg, am 01.04.1950, wurde auf Richtlinie der Besatzungsmächte ein „Feuerwehr-Brandmeister“ gewählt:

 

Wilhelm Pieper

 

Friedrich Bode

 

Friedrich Lücke
1925-1926

 

Hermann Meyer
1926-1937

 

August Sorge
1937-1950

 

Wilhelm Sporleder
1950-1959

 

Joachim Heinrichs
1959-1968

 

Ludwig Franz
1968-1977

 

Hermann Ohm
1977-1996

 

Günter Fredebold
1996-2004


Andreas Damrau
2004-2010


Dietrich Meyer
2010-heute

 

 

Quelle(n):
Chronik 1000 Jahre Heyen
Deister- und Weserzeitung, Bodenwerder
Th. Sienk, Bodenwerder

 

Erstellt: A. Damrau (09.07.2013)

 

 

 

Anekdote über einen Brandeinsatz in Esperde 1941

Am 3. Dezember 1941 mittags 1. 15 Uhr wurde die Wehr plötzlich alarmiert. Es brannte der alleinstehende Getreideschuppen des Bauern L. in Esperde. Nach Eintreffen auf der Brandstelle wurde man von einzelnen Feuerwehrkameraden beschimpft, auch wurden dem Kameraden Wulf Schläge angetrieben. Auf der Brandstelle war kein Arbeiten möglich, da seitens der Esperder Wehr keine Absperrung vorgenommen war. Allgemeiner Wunsch war es: die Scheune sollte nicht gelöscht werden. Nach Eintreffen des Kreisfeuerwehrführers Müller wurde von der Heyer Wehr Beschwerde eingereicht. Letzte kam also nicht zum Einsatz. Ein Posten Schläuche mussten der Esperder Wehr zur Verfügung

gestellt werden. Um 3.30 Uhr konnte die Wehr abrücken.

 

Heyen, den 10. Dezember 1941

A. Sorge Brandmeister

Fr. Bode Schriftwart

 

Dieser Vorfall hat der gutnachbarschaftlichen Beziehung mit Esperde aber keinen Abbruch getan. Noch heute wird einmal im Jahr - im sogenannten Dreiländereck - der Feuerlöscheinsatz geübt und die Kameradschaft gepflegt, abwechselnd in Brockensen, Esperde und Heyen.

 

 

Quelle(n):

Auszug aus dem Brandprotokoll

 

Erstellt: A. Damrau (09.07.2013)